Kaiserschnitt – der andere Weg, ein Kind auf die Welt zu bringen

Die schönen, aber manchmal auch ganz schön strapaziösen Schwangerschaftswochen enden mit der Geburt des Babys. Wohl jede Mama macht sich über dieses Ereignis viele unterschiedliche Gedanken. Der Wunsch liegt nahe, dass die Geburt regelrecht verläuft. Sie hoffen, dass alles gut wird und Sie am Ende Ihr Baby glücklich in den Armen halten. Bedingt durch medizinische Komplikationen vor oder während des Geburtsprozesses, kann es manchmal notwendig sein, das Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen.

Kaiserschnitt in Deutschland

Inzwischen liegt die Zahl der Kaiserschnittgeburten in Deutschland bei 30,5% (Statistisches Bundesamt, 2017), wobei die Tendenz steigend ist. Das belegt, dass weitaus mehr Mütter die Erfahrung der Geburt per Kaiserschnitt machen als noch vor 10 Jahren. Statistiken dieser Art zeigen aber auch, dass Mütter mit ihren Kaiserschnitt-Erfahrungen nicht alleine sind und ein Austausch  möglich und nötig ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist bestrebt, die Zahl der Kaiserschnitte zu senken, sanfte Methoden für diese Art der Geburt zur Anwendung zu bringen, und die Mütter nach einem Kaiserschnitt umfänglich zu betreuen. So sind laut WHO 10 bis 15% der Geburten durch Kaiserschnitt medizinisch begründet.
Ein Kaiserschnitt auf Wunsch, der einer werdenden Mutter die Geburt erleichtert, zählt nicht zu den medizinisch relevanten Gründen für diesen operativen Eingriff.

Geplanter vs. ungeplanter Kaiserschnitt

Die Gründe für einen Kaiserschnitt sind sehr unterschiedlich. Es sollte aber in jedem Fall darum gehen, die Gesundheit des Babys und der Mutter zu schützen und weitreichende gesundheitliche Folgen zu vermeiden. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass es während einer normalen Geburt durch einen akuten Sauerstoffmangel in der Gebärmutter zu einer gesundheitlichen Gefährdung des Babys kommt. In schweren Fällen kann das Kind dadurch von lebensbedrohlichen hirnorganischen Beeinträchtigungen oder späteren Entwicklungsverzögerungen betroffen sein. Auch bei der Mutter kann es während der Entbindung zu Komplikationen kommen, denen schnellst möglich entgegengewirkt werden muss.

So unterschiedlich wie die Hintergründe, die einen Kaiserschnitt nötig machen, sind auch die Erfahrungen und Wahrnehmungen der betreffenden Mütter. Jede einzelne Situation ist einzigartig und nicht mit anderen zu vergleichen. Denn jede Mutter empfindet seelisch anders und hat eine unterschiedliche Schmerz-Toleranz-Grenze. Als werdende Mutter denken Sie nie nur an sich selbst und sind naturgemäß in besonderer Weise am Wohlergehen Ihres Kindes interessiert. Aus diesem Grund ist es besonders wichtig, dass Sie gut betreut und auf die bevorstehende operative Geburt vorbereitet und aufgeklärt sind.

Nicht immer findet ein Kaiserschnitt geplant statt. Im Fall eines nahenden lebensbedrohlichen Ereignisses für Mutter oder Baby, ist rasches Handeln des geburtshilflichen Teams erforderlich. In einer solchen Situation ist ein Kaiserschnitt oft unumgänglich. Daher ist es für werdende Eltern ratsam, sich im Verlauf der Schwangerschaft auch mit dieser besonderen Variante der Geburt auseinanderzusetzen. Lassen Sie sich am besten von Ihrer Hebamme und Ihrem Arzt beraten, und scheuen Sie sich nicht Fragen zu stellen. Die Antworten sollten Ihnen beim Verständnis helfen und zu Ihrer Aufklärung beitragen.

Historische Hintergründe: Warum heißt es Kaiserschnitt?

Sicher werden Sie sich schon einmal gefragt haben, woher sich die Bezeichnung Kaiserschnitt ableitet. Dem römischen Schriftsteller Plinius nach, war der bekannte römische Staatsmann Caesar der erste Mensch, der per Kaiserschnitt zur Welt kam. Die Bezeichnung entstammt dem lateinischen Wortstamm „caesus“, was mit „geschnitten“ übersetzt wird und dem Wort „sectio“, was so viel wie „der Schnitt“ heißt. So bedeutet der Name Caesar „aus dem Bauch der Mutter geschnitten“.

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Noch heute wird unter Medizinern der Begriff „sectio caesarea“ – „der kaiserliche Schnitt“ für die operative Geburt verwendet. So hat die Überlieferung bis in die heutige Zeit Bestand. Da Caesar der Erste gewesen sein soll, der auf diese Weise geboren wurde, trägt auch er als Erster diesen Namen.

Kaiserschnitt oder natürliche Geburt?

Während der gesamten Schwangerschaft wurden Sie und Ihr Kind monatlich von Ihrem Frauenarzt untersucht und von der Hebamme betreut und überwacht. All diese Untersuchungen dienen der Gesundheit der werdenden Mutter und der naturgemäßen Entwicklung des Ungeborenen. Aber auch für die Planung der anstehenden Geburt des Kindes und der Entbindung der Mutter sind diese ärztlichen Untersuchungen von entscheidender Bedeutung. Gerade in den letzten Wochen der Schwangerschaft ist dies der Fall, weil nun der errechnete Entbindungstermin immer näher rückt und die Geburt unmittelbar bevorsteht.

Die Geburt sollte für Sie und Ihr Baby so sanft wie möglich ablaufen. Darauf haben Sie sich eingestellt und im Geburtsvorbereitungskurs effektive Maßnahmen zur Bewältigung des Geburtsschmerzes, sowie zur Schonung Ihrer Kräfte erlernt und verinnerlicht.

Einige Umstände machen aber ein Eingreifen, z. B. in Form einer Operation, unbedingt notwendig. Hierbei wird zwischen einer absoluten Notwendigkeit und einer relativen Notwendigkeit unterschieden. Absolute Notwendigkeiten, auch Indikationen genannt, machen den Kaiserschnitt unumgänglich. Die relative Notwendigkeit ermöglicht dem Arzt und der Hebamme einen Spielraum, um das Kind doch noch natürlich auf die Welt zu begleiten.

Bei seiner Entscheidung für oder gegen einen Kaiserschnitt wägt das geburtshilfliche Team stets die Risiken, Vorteile und Nachteile genauestens ab, um für alle sinnvoll entscheiden zu können.

Gründe für einen Kaiserschnitt

Zu den häufigsten Gründen, welche einen Kaiserschnitt nötig machen, zählen:

  • Querlage oder Beckenendlage des Kindes, bei welcher der kindliche Kopf sich oben befindet und das Gesäß oder die Füße in Richtung Gebärmutterausgang liegen
  • verzögerter Geburtsverlauf oder Geburtsstillstand
  • lebensbedrohliche Veränderungen der kindlichen Herztöne während der Geburt
  • Nabelschnurvorfall oder echte Nabelschnurumschlingung mit einem drohenden Sauerstoffmangel des Kindes
  • Mehrlingsgeburten, wobei nach einer Zwillingsschwangerschaft die Babys auch natürlich entbunden werden können
  • bakterielle Infektionen in der Gebärmutter
  • Verformung des mütterlichen Beckens
  • bekannte schwerwiegende Behinderung des Babys
  • Verdacht auf das Einreißen der Gebärmutter unter der Wehentätigkeit
  • schwerer Verlauf eines schwangerschaftsbedingten Bluthochdrucks (HELLP-Syndrom)
  • akute Verschlechterung der Stoffwechsellage des Kindes
  • vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens (Plazenta), wodurch das Baby nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden kann, etwa nach einem Unfall oder durch Sturz.

Darüber hinaus gibt es natürlich immer noch ganz individuelle oder auch persönliche Gründe, die für einen Kaiserschnitt sprechen.

Vorbereitung auf einen Kaiserschnitt

Prinzipiell wird zwischen einem primären und einem sekundären Kaiserschnitt unterschieden. Während Sie sich als Eltern auf einen primären Kaiserschnitt gut vorbereiten können, so ist das bei der sekundären Variante leider nur bedingt oder gar nicht möglich.

Bei einem geplanten Eingriff, dem primären Kaiserschnitt, steht bereits im Vorfeld fest, dass ihr Kind operativ auf die Welt geholt wird. Dies geschieht durch den behandelnden Arzt und aus medizinischen Gründen heraus.

Vor einer primären Sectio (Kaiserschnitt) werden Sie ein Dokument lesen und unterschreiben, welches Sie über den Ablauf des Eingriffes und mögliche Risiken in Wort und Bild aufgeklärt. Die Sprache ist auch für medizinische Laien im Allgemeinen gut verständlich. Dennoch verbergen sich in dem Aufklärungsbogen auch medizinische Begriffe. Das Operationsteam kann nun einen festen Termin vereinbaren, an dem Ihr Baby zur Welt kommen wird und Ihren Kaiserschnitt im Klinikablauf zeitlich planen.

Auch wenn Sie Ihr Baby auf natürlichem Wege zur Welt bringen möchten, so sollten Sie sich dennoch grundlegend mit dem Thema Kaiserschnitt auseinandersetzen. Es kann vorkommen, dass auch während einer natürlichen Geburt ein ungeplanter Kaiserschnitt, oder in seltenen Fällen sogar ein Notkaiserschnitt, vorgenommen werden muss.

Der Vorteil einer primären Kaiserschnittentbindung liegt darin, dass Sie all Ihre Fragen an den Arzt und die Hebamme stellen können. Dies dient dazu, dass Sie Ihre Angst vor dem Kaiserschnitt abbauen können, oder aber diese gar nicht entsteht.

Die besten Tipps zur Vorbereitung

  • Lesen Sie sich den Aufklärungsbogen in Ruhe zuhause durch.
  • Fragen Sie Ihren Arzt bei der nächsten Gelegenheit, wenn Sie etwas nicht vollständig verstehen.
  • Lassen Sie sich medizinische Begriffe erklären und übersetzen.
  • Beziehen Sie Ihren Partner mit ein, denn sicher hat auch er Fragen und braucht wichtige Informationen zu seiner Beruhigung. Sie können sich beide gegenseitig stützen.
  • Nutzen Sie Kontaktmöglichkeiten zu anderen Paaren, deren Kind per Kaiserschnitt zur Welt kam. Kennen Sie das HiPP Mein BabyClub Forum? Hier können Sie sich mit anderen Eltern austauschen.
  • Formulieren Sie Wünsche, die Sie an den Arzt, die Hebamme und das OP-Team richten wollen. Schließlich ist die Geburt Ihres Babys per Kaiserschnitt ein einmaliges Erlebnis.
  • Für einen erfolgreichen Start in die Stillzeit wünschen Sie sich ausdrücklich, dass Ihnen Ihr Baby direkt (noch vor der körperlichen Untersuchung) auf die Brust gelegt wird.
  • Klären Sie im Vorfeld, ob und unter welchen Bedingungen Ihr Partner bei der Geburt dabei sein kann.
  • Halten Sie all ihre Gesundheitsdokumente für die Aufklärung durch den Anästhesisten (Narkosearzt) bereit. Eine genaue Krankengeschichte mindert das Narkoserisiko.

Verhalten nach einem Kaiserschnitt

Wie lange Sie nach dem Kaiserschnitt im Krankenhaus bleiben müssen, entscheidet der behandelnde Arzt in Abhängigkeit von Ihrem Gesundheitszustand. Auch die Anpassung Ihres Babys an die Außenwelt und seine Entwicklung ist ein Entscheidungskriterium. Im Schnitt bleiben Wöchnerinnen heute nach einem Kaiserschnitt drei bis sieben Tage in der Klinik.

Die Kosten für den Kaiserschnitt trägt bei versicherten Personen die Krankenkasse. Für Privatversicherte kann diese Regelung abweichen. Hier müssten Sie sich vorher bei Ihrer zuständigen Krankenkasse informieren. Ein Kaiserschnitt auf Wunsch ohne medizinische Notwendigkeit ist daher von der werdenden Mutter selbst zu tragen.

Bei der Entlassung wird bei der Mutter auf die Rückbildung der Gebärmutter und den Wochenfluss, der Heilung der Naht, sowie auf die Brust und bei Stillenden die Milchbildung geachtet. Auch die normale Funktion der Harnblase ist wichtig, weil diese manchmal noch durch die PDA (Rückenmarksnarkose) irritiert ist. Auch der Stuhlgang sollte wieder regelmäßig sein, ebenso sollten Blutdruck und Puls stabil sein. Sie selbst werden durch einen Gynäkologen überwacht und behandelt, der sich eng mit dem Kinderarzt Ihres Babys austauscht.

In Bezug auf Ihr Baby wird der Kinderarzt Untersuchungen, die sogenannten Kinder U- Untersuchungen, an den vorgegebenen Tagen durchführen. Die Ergebnisse werden in dem gelben U-Kinderheft der Kinder- und Jugendärzte vermerkt. Hierbei werden die kindlichen Reflexe überprüft, welche Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung sind. Weiterhin werden das Trinkverhalten und die Ausscheidungen des Neugeborenen beobachtet. Ein geschützter Wärmeorganismus ist die Voraussetzung für eine gute Gewichtsentwicklung.

Der Kinderarzt wird genau auf die Hautfarbe des Kindes achten. Eine leichte Gelbfärbung ist in den ersten Lebenstagen ein häufiges Symptom bei neugeborenen Kindern und nennt sich Neugeborenengelbsucht. Dies ist eine Erscheinung, die sich aus der unreifen Leber ergibt. Der Leberstoff Bilirubin wird dabei in den Hautzellen eingelagert. Je nach Intensität kann der Abbau des gelben Blutfarbstoffes mit einer UV-Lichttherapie im Wärmebettchen unterstützt werden. Erst wenn die Werte wieder im Normbereich liegen, kann das Baby nach Hause entlassen werden.

Kliniktasche für einen Kaiserschnitt packen

Die Utensilien, welche Sie für einen Krankenhausaufenthalt nach einem Kaiserschnitt benötigen, sind etwas umfänglicher als bei einer natürlichen Geburt. Sie brauchen Kleidung, Nachtwäsche und Pflegeutensilien für sich selbst, sowie Kleidung für sich und Ihr Baby für den Entlassungstag.

Eventuell werden Sie nach der Entbindung, bedingt durch die hormonelle Umstellung nach der Schwangerschaft, vermehrt schwitzen. Packen Sie deshalb mehr Wechselwäsche ein als sonst. Bestenfalls tragen Sie Nachthemden, weil diese bequem sind und nicht an der Narbe scheuern. Spezielle Stillnachthemden sind mit einer großzügigen Knopfleiste ausgestattet, sodass Sie Ihr Kind zu jeder Zeit bequem an die Brust anlegen können.

Da die Operationsnarbe empfindlich ist und gut heilen sollte, empfiehlt es sich bequeme und vor allem atmungsaktive Unterwäsche mit in die Klinik zu nehmen. Auch sollte diese bei mindestens 60 Grad waschbar sein. Für die ersten Tage sind Einmal-Höschen gut geeignet. Sie bestehen aus einem weichen Netzgewebe und werden nach dem Tragen ganz einfach entsorgt.

Hygieneeinlagen, die den Wochenfluss aufnehmen, stellt Ihnen die Klinik zur Verfügung. Für die Heimfahrt können Sie sich einige Damenbinden in die Kliniktasche einpacken.

Das Tragen eines Still-BHs ist für die Zeit des Milcheinschusses nach einem Kaiserschnitt besonders wichtig, denn dieser entlastet die empfindlichen Brüste. Ein Still-BH sollte aus Baumwolle bestehen und Ihnen gut passen oder sogar ein wenig zu groß sein. Auch hier werden Sie etwa zwei BHs pro Tag benötigen, weil in den ersten Tagen immer wieder unwillkürlich Milch aus den Brüsten austritt. Das dient der Bereitstellung von Muttermilch in ausreichender Menge. Um überschüssige Muttermilch aufzufangen, verwenden Sie in der Klinik Einmalstilleinlagen oder spezielle Auffangschalen, zuhause später waschbare Stilleinlagen.

Für den Gang auf den Krankenhausflur, etwa zu Untersuchungen, benötigen Sie einen Bademantel, Hausschuhe und Strümpfe. Auch hier sollte alles bequem sitzen und nicht einschneiden.

Waschutensilien, wie Handtücher und Waschlappen, werden in den meisten Kliniken gestellt. Nur persönliche Dinge, wie Duschbad und Shampoo sowie Zahnpflegeprodukte dürfen in der Kliniktasche nicht fehlen.

Für den Tag der Entlassung sollten Sie ein kleines Pflegeset für Ihr Baby und Neugeborenenwindeln dabei haben.

Ablauf und Dauer eines geplanten Kaiserschnitts

In Deutschland wird derzeit mehr als jedes dritte Kind per Kaiserschnitt geboren, deshalb sind die Abläufe dieser Bauchoperation auch standardisiert. Nach den Vorgesprächen mit den Ärzten werden Sie in der Regel am Vorabend des Operationstages in der Klinik stationär aufgenommen. An diesem Abend dürfen Sie nichts mehr essen, damit Sie zur Operation nüchtern sind. Verbleibende Nahrungsreste könnten sonst bei der Narkose zu Komplikationen führen.

Vor der OP wird Ihnen eine Kanüle in die Vene und ein Katheter in die Harnblase gelegt. Dieser verhindert, dass die gefüllte Blase durch den Schnitt des Operateurs verletzt wird. Des Weiteren werden Sie im Intimbereich und auf dem Bauch rasiert.

Sobald alles fertig ist, wird die Narkose eingeleitet. Dabei werden die Nerven des Rückenmarks mittels einer Kanüle betäubt. Das hat gegenüber der Vollnarkose den Vorteil, dass das Betäubungsmittel nur in den Blutkreislauf der Mutter und somit nicht zum Baby gelangt.

Da das Operationsgebiet durch ein Tuch vor Ihrem Kopf verdeckt ist, können Sie selbst die Operation nicht sehen. In der Regel steht Ihr Partner neben Ihnen und kann Sie emotional unterstützen. Sicher ist auch er schon ganz gespannt auf den Moment, in dem Ihr gemeinsames Kind geboren wird. Auf Wunsch ist es auch möglich, dass Sie die Geburt über einen Bildschirm mitverfolgen können.

Nach der Desinfektion des Bauches setzt der Operateur einen etwa 12 cm langen Schnitt in den Bereich der Bikinifalte, damit die Narbe später weniger auffällig ist. Nachdem alle Haut- und Muskelschichten durchtrennt sind, muss der Arzt die Harnblase, die vor der Gebärmutter liegt, ein wenig zur Seite schieben. Dann kann er die Gebärmutter mit einem minimalen Schnitt eröffnen. Dieser Schnitt wird mit den Fingern gedehnt, bis er groß genug ist, um das Baby daraus entwickeln und herausheben zu können. Die Dehnung des Gebärmuttereinschnitts mit den Fingern beschreibt die Methode des sanften Kaiserschnitts, der später problemlos weitere Schwangerschaften ermöglicht.

Nachdem Ihr Baby durch das Herausheben aus der Gebärmutter zur Welt kommt, wird die Nabelschnur durchtrennt. Dies ist für Mütter und Väter ein bewegender Moment, auf den sie lange gewartet haben. In warme Tücher gewickelt, können Sie nun Ihr Neugeborenes in Ihren Armen halten. Mutter und Vater sehen ihr Kind das erste Mal und können sich in Ruhe kennenlernen. Das Wachsen einer Familie beginnt.

Währenddessen entnimmt der Operateur die Plazenta aus der Gebärmutter. Mit der Geburt des Mutterkuchens durch die Lösung von der Gebärmutterschleimhaut, beginnt für Sie die Zeit des Wochenbetts. Während Sie Ihr Baby bestaunen und erste Momente des Zusammenseins genießen, vernäht der Arzt die Wunden wieder sorgfältig. Modernes Nahtmaterial löst sich nach wenigen Wochen von selbst auf.

Nach der ersten Untersuchung des Babys werden Sie beide gut versorgt auf die Wöchnerinnenstation verlegt. Hier können Sie sich von der Operation erholen und Ihr neues Leben als Mutter erkunden. Hebammen und Pflegende stehen Ihnen hierbei mit Rat und Tat zur Seite.

Ihr Leben als junge Mutter

Während Sie die ersten Besuche Ihrer Familie empfangen, werden sie liebevoll und engagiert vom Klinikpersonal betreut. Eine Hebamme steht Ihnen täglich mit Rat und Tat zur Seite. Sie wird den Wochenfluss beobachten und Ihre Wunde kontrollieren. Ebenso schaut sie sich Ihre Brüste an und kann bei Schmerzen beim Anlegen des Kindes oder beim Milcheinschuss professionelle Hilfe geben. Eine Physiotherapeutin wird mit Ihnen leichte Mobilisierungsübungen machen, um einer Venenentzündung vorzubeugen. Das heißt, dass Sie im Krankenhaus mit Unterstützung zum ersten Mal aufstehen und ein paar Schritte laufen werden, zum Beispiel zur Toilette. Kleine Bewegungen der Füße und Hände regen den Blutfluss in den Venen an. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen dient ebenfalls der Thromboseprophylaxe. Welche Maßnahmen über die Krankenhauszeit hinaus sinnvoll sind, werden die Ärzte bzw. das Pflegepersonal vor der Entlassung mit Ihnen besprechen.

Nach der Entlassung aus dem Krankenhaus haben Sie noch immer Hilfe durch eine Nachsorgehebamme, sofern Sie sich während der Schwangerschaft eine bereits gesucht haben. Diese besucht Sie regelmäßig und beobachtet das Stillen, die Gewichtszunahme des Kindes, sowie Ihre Narbe und den Wochenfluss. Sie wird Ihnen Tipps zum Umgang mit Ihrem Baby und zur Narbenpflege geben. Auch wird die Hebamme mit Ihnen weitere Übungen zur Rückbildung machen.

Mit der Hebamme können Sie auch ganz persönliche Fragen klären, etwa wie lange Sie Schmerzen haben werden, wann Sie nach dem Kaiserschnitt baden dürfen und wie lange Sie warten müssen, bis Sie wieder Geschlechtsverkehr haben dürfen. Der Stillstart nach einem Kaiserschnitt kann etwas verzögert und holprig verlaufen. Ihre Hebamme wird Ihnen auch hierbei hilfreich zur Seite stehen.

Generell sollte ein Kaiserschnitt Ihr Leben nicht gravierend ändern oder beeinflussen. Nach einer vorübergehenden Schon- und Erholungszeit können Sie joggen und Sport machen. Sportliche Betätigung sollte allerdings Ihrem Trainingszustand angepasst und demnach sanft sein. Bedenken Sie, dass ihr Beckenboden geschwächt ist und durch die Rückbildungsgymnastik in der Hebammenpraxis ab dem 3. Monat nach der Geburt erst wieder kontinuierlich gefestigt werden muss.

Das Tragen eines Bauchgurts nach dem Kaiserschnitt kann eine vorübergehende Stütze sein. Dennoch ist der Gurt medizinisch nicht begründet und auf längere Sicht eher schädlich, weil sich die Muskeln nicht aufbauen, sondern viel mehr geschont werden.

Nach einer Karenzzeit von etwa einem halben bis einem Jahr können Sie uneingeschränkt wieder schwanger werden und Ihre Familie vergrößern. Auch eine natürliche Geburt nach einem Kaiserschnitt ist möglich.

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Die wichtigsten Fragen zum Kaiserschnitt

Welche Vorteile und Nachteile bringt ein Kaiserschnitt mit sich?

Weil der Kaiserschnitt einen operativen Eingriff darstellt und eine natürliche Geburt eines Babys ersetzt, sind die Vorteile eines Kaiserschnitts lediglich im Schutz der Mutter und des Kindes zu sehen. Der Schutz kommt einer erkrankten oder stark geschwächten Mutter oder einem behinderten oder in seiner Entwicklung gestörten Ungeborenen zugute. Die Schmerzfreiheit, welche vielen Frauen als Vorteil eines Kaiserschnitts ansehen, ist nur verlagert. Während der Schmerz bei der Operation durch die Narkose und Schmerzmittel ausgeschaltet ist, entsteht danach ein Wundschmerz mit Bewegungseinschränkungen.

In den meisten Fällen überwiegen somit die Nachteile den Vorteilen und stellen für Mutter und Kind entscheidende Risiken dar. Deshalb ist eine genaue Abwägung wichtig und die Entscheidung für einen Kaiserschnitt bewusst und äußerst überlegt zu fällen. Nur bei absoluter Notwendigkeit sollte ein Kaiserschnitt vorgenommen werden.

Mögliche Nachteile des Kaiserschnitts für die Mutter:

  • hoher Blutverlust während und nach der Operation
  • Bildung von kleinen Blutgerinnseln, Narbengewebe und Verklebungen
  • Schädigung von Muskel- und Nervenzellen im Bereich des Unterbauches
  • Wundschmerzen und Taubheitsgefühl mit Bewegungseinschränkungen nach der OP
  • körperliche Schwäche
  • Irritationen im Bindungsaufbau zum Kind
  • erschwerter Stillbeginn

Mögliche Nachteile des Kaiserschnitts für das Kind:

  • Fehlen der Geburtsarbeit, welche gleichzeitig Muskeln und Sehnen trainiert
  • Schwäche des Immunsystems durch Fehlen der Erstbesiedelung mit mütterlichen Mikrobiom
  • erschwerter Bindungsaufbau zur Mutter
  • häufige Zufütterung mit Muttermilchersatzprodukten durch erschwerten Stillbeginn

 

Welche Schmerzen und Risiken bestehen bei einem Kaiserschnitt?

Die Wundschmerzen bleiben bei den meisten Frauen etwa fünf bis acht Tage akut bestehen. Danach gehen die Schmerzen schrittweise zurück und die Bewegung ist wieder möglich. Alle Frauen nach einem Kaiserschnitt benötigen in der ersten Zeit nach dem Eingriff Hilfe für sich und in der Versorgung ihres Kindes.

Bedingt durch die Modernisierung der Medizin und Operationsverfahren, sind die Risiken bei einem Kaiserschnitt stark minimiert worden.

Zu den wesentlichen Risiken und Komplikationen gehören:

  • Thrombose oder Embolie-Verschluss eines Blutgefäßes
  • Narkosezwischenfälle
  • Verletzung der benachbarten Organe, wie Harnblase, Harnleiter und Darm
  • Infektion der Wunde mit Entzündungen und Schmerzen
  • Kosmetische Beeinträchtigung durch ungünstige Narbenbildung
  • langfristige Missempfindungen und Taubheitsgefühl durch die Narbe
  • Bindungsschwäche und Bindungsstörungen bei Mutter und Kind
  • Störungen in der Stillbeziehung
  • posttraumatische Belastungsstörung
  • Unfruchtbarkeit durch Narbengewebe in der Gebärmutter
  • Gefahr einer Fehllage der Plazenta bei erneuter Schwangerschaft

Wie pflege ich die Narbe nach einem Kaiserschnitt?

Die Wunde wird im Operationssaal entweder mit einem Faden vernäht, welcher sich von selbst löst, oder aber mit einem modernen Wundkleber versorgt. Beide Varianten wirken sich positiv auf die Narbenbildung aus – diese wird dann feiner verheilen.

In den ersten Tagen nach dem operativen Eingriff wird die frische Wunde professionell von einem Arzt oder dem Pflegepersonal der Klinik versorgt. Hierbei wird genau auf sauberes Arbeiten und steriles Abdecken der Wunde geachtet. Dadurch werden Infektionen vermieden, die eine Wundheilungsstörung zur Folge haben könnten.

Nach der Entlassung wird Ihre Hebamme die Narbe täglich kontrollieren. Zunächst einmal sieht die Narbe noch sehr dunkel und fleischig aus, mit der Zeit verblasst sie aber mehr und mehr.

Ist der Wundschorf abgefallen bzw. hat sich der Faden aufgelöst, können Sie die Narbe täglich selbst mit einem hochwertigen natürlichen Pflegeöl einreiben. Dieses hat eine heilende Wirkung und hält die Narbe geschmeidig. Auch spezielle Produkte aus der Apotheke helfen die Narbe nachhaltig zu pflegen – nötig sind diese aber nicht, weil die Inhaltsstoffe dem eines Öls ähneln. Wund- und Heilsalben eigenen sich ebenso gut. Nutzen Sie die tägliche Pflege dazu, sich mit Ihrer Narbe auseinanderzusetzen und sie zu akzeptieren und die innere Narbe auf der Seele ebenfalls gut heilen zu lassen.

Die äußere Hautnarbe verheilt schneller als die Verletzungen an den inneren Gewebeschichten. Tragen Sie in den ersten Wochen Ihres Wochenbetts keine schweren Lasten, damit sich die Gewebsschichten der Bauchmuskulatur und Ihres  Beckenbodens stabilisieren können.

Die äußere Narbe sollten Sie zunächst nicht dem Sonnenlicht aussetzen und Unterwäsche mit straffem Bund vermeiden.

Was kann ich tun, damit Stillen nach dem Kaiserschnitt klappt?

Die Entbindung durch einen Kaiserschnitt (Sectio) ist kein Hindernis für ein erfolgreiches Stillen. Je nach Art der Narkose kann sich der Stillbeginn nach einem Kaiserschnitt jedoch manchmal etwas verzögern, weil Mutter und Kind nach der Operation noch schläfrig sind. Beginnen Sie mit dem Anlegen, sobald Ihr Baby erste Mundbewegungen macht. Setzen Sie sich selbst und Ihr Kind dabei aber nicht unter Druck. Sie haben in den nächsten Tagen sehr viel Zeit, das Stillen gemeinsam in Ruhe zu erlernen.

Nähe, Körper- und Hautkontakt können Ihnen und Ihrem Kind helfen, das Erlebnis der Schnittentbindung zu verarbeiten und zueinander zu finden. Lassen Sie sich beim Anlegen so lange helfen, bis Sie sich sicher fühlen. Probieren Sie aus, welche Stillpositionen für Sie möglichst schonend und am bequemsten sind.

Nach einer Sectio ist das Stillen im Liegen angenehm, und zwar so, dass die Beine des Babys Ihrem Kopf zugewandt sind. So ist Ihre empfindliche Operationsnarbe außerhalb der „Strampelzone“ und gut geschützt. Beim Stillen im Sitzen entlasten Sie die Operationsnarbe, indem Sie die Beine auf ein festes Kissen, einen kleinen Hocker oder ein Fußbänkchen stellen.

Wenn Sie nicht bei Ihrem Kind sein können, weil es z.B. zu früh geboren wurde oder in einer speziellen Kinderklinik betreut werden muss, sollten Sie sich so bald wie möglich zu ihm bringen lassen. Beginnen Sie so rasch wie möglich mit dem Abpumpen der Muttermilch, damit die Milchbildung in Gang kommt. Gönnen Sie sich auch nach der Entlassung aus der Klinik viel Ruhe und Zeit mit Ihrem Kind. Sie müssen sich von einer großen Operation erholen und sollten in der ersten Zeit Entlastung im Haushalt haben.

 

Autoreninfo:

Juliane Jacke-Gerlitz ist examinierte Krankenschwester. Seit mehr als zehn Jahren ist sie in der Mütter- und Stillberatung tätig. Derzeit arbeitet sie als medizinische Autorin und psychologische Beraterin. Juliane Jacke-Gerlitz ist seit 22 Jahren verheiratet, Mutter von acht Kindern, und lebt mit ihrer Familie in Halle.

Fachliche Beratung und Redaktion: Birgit Laue, Hebamme & Medizinpädagogin, Dipl. PR-Fachwirtin, Autorin